Marketplace Payment ist ein Betriebsmodell
Ein Marketplace benötigt mehr als einfachen Checkout: Seller-Auszahlungen, Risikosteuerung und belastbare Reconciliation sind Kernfunktionen. Der Payment-Flow ist dreiseitig – Käufer zahlt, Plattform verarbeitet und verteilt, Seller erhält den Erlös abzüglich Gebühren.
Split-Payment-Architektur
Der typische Zahlungsfluss auf einem Marketplace:
- Käufer bezahlt: Gesamtbetrag wird über den PSP autorisiert und gecaptured (z. B. CHF 100).
- Plattform-Fee Abzug: Die Plattform behält ihren Anteil ein (z. B. 15 % = CHF 15).
- Seller-Auszahlung: Der Restbetrag (CHF 85) wird dem Seller-Konto gutgeschrieben.
- Payout-Ausführung: Je nach Konfiguration wird der Betrag täglich, wöchentlich oder bei Erreichen eines Schwellenwerts an das Bankkonto des Sellers überwiesen.
Technisch gibt es zwei Modelle: Destination Charges (Zahlung geht an den Seller, Plattform zieht Fee ab) und Direct Charges (Plattform empfängt, verteilt weiter). Stripe Connect nutzt diese Begriffe explizit.
KYC/Onboarding-Flow für Seller
Regulatorisch muss die Plattform ihre Seller identifizieren. Ein typischer Onboarding-Flow:
- Registrierung: Seller erstellt Konto mit Geschäftsinformationen (Firmenname, UID-Nummer, Adresse)
- Identitätsverifikation: Upload von Ausweisdokumenten (Pass/ID) für wirtschaftlich Berechtigte. Automatisch via PSP (Stripe Identity, Adyen KYC).
- Bankverbindung: IBAN-Validierung für Auszahlungen (Schweizer IBAN oder SEPA)
- Prüfung: Automatische Prüfung gegen Sanktionslisten und PEP-Datenbanken
- Aktivierung: Seller kann Produkte listen und Zahlungen empfangen
- Laufende Überwachung: Periodische Re-Verifikation bei Volumenänderungen oder regulatorischen Anforderungen
Typische Onboarding-Dauer: 1–3 Werktage (automatisiert) bis 1–2 Wochen (mit manueller Prüfung).
Payout-Scheduling-Strategien
| Strategie | Beschreibung | Risiko | Seller-Zufriedenheit |
|---|---|---|---|
| Sofort-Payout (T+0) | Auszahlung am Tag des Kaufs | Sehr hoch (Chargeback-Risiko) | Sehr hoch |
| T+2 bis T+3 | Auszahlung nach 2–3 Werktagen | Moderat | Hoch |
| Wöchentlich | Gesammelte Auszahlung 1x pro Woche | Niedrig | Mittel |
| Nach Lieferbestätigung | Payout erst nach bestätigter Lieferung | Sehr niedrig | Niedrig |
| Schwellenwert-basiert | Payout ab CHF 100 Guthaben | Niedrig | Mittel |
Empfehlung für neue Marketplaces: Starte mit T+3 oder wöchentlicher Auszahlung. Seller mit positivem Track Record nach 3–6 Monaten auf schnellere Payouts upgraden.
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Zum Payment-Fit-CheckPlattform-Fee-Modelle
| Modell | Beschreibung | Beispiel | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Kommission | Prozentsatz pro Transaktion | 10–20 % pro Verkauf | Produktmarktplätze |
| Subscription | Monatliche Gebühr für Seller | CHF 49/Mt. + 5 % | Etablierte Plattformen |
| Hybrid | Grundgebühr + reduzierte Kommission | CHF 29/Mt. + 8 % | Skalierungsphase |
| Listing Fee | Gebühr pro eingestelltem Produkt | CHF 0.50 pro Listing | Kleinanzeigen-Modelle |
| Premium Placement | Zusatzgebühr für Sichtbarkeit | CHF 5–50 pro Boost | Ergänzend zu Kommission |
Die Kommission ist am einfachsten über den PSP abzubilden (Stripe Connect Application Fee, Adyen Split Payments).
Provider-Vergleich für Marketplaces
| Feature | Stripe Connect | Adyen for Platforms | Checkout.com Marketplace |
|---|---|---|---|
| Split Payments | Nativ (Destination/Direct Charges) | Nativ (Balance Platform) | Nativ |
| KYC/Onboarding | Stripe Identity + Connect Onboarding | Adyen KYC (hosted) | Über Partner |
| Payout-Flexibilität | Hoch (täglich bis manuell) | Hoch | Mittel |
| Supported Countries | 45+ | 30+ | 15+ |
| TWINT-Support | Nein | Ja | Nein |
| Schweizer IBAN-Payouts | Ja | Ja | Ja |
| Negative Balance Handling | Automatisch (von zukünftigen Payouts) | Konfigurierbar | Manuell |
| Preismodell | 0,25 % + CHF 0.25 pro Payout | Volumenbasiert, verhandelbar | Volumenbasiert |
| Ideal für | Startups und Scale-ups | Enterprise mit Omnichannel | Grössere Plattformen |
Für Schweizer Marketplaces mit TWINT-Bedarf ist Adyen derzeit die einzige integrierte Lösung. Alternativ: Stripe Connect für internationale Zahlungen + Datatrans für TWINT als separate Integration.
Regulatorische Anforderungen
Marketplace-Betreiber in der Schweiz müssen folgende Punkte klären:
- Geldwäschereigesetz (GwG): Wer Gelder Dritter entgegennimmt und weiterleitet, kann als Finanzintermediär gelten. Abklärung mit einem Anwalt ist zwingend.
- FINMA-Unterstellung: Abhängig vom Geschäftsmodell kann eine Bewilligungspflicht bestehen. Die Nutzung eines lizenzierten PSPs (Stripe, Adyen) als «Settlement Agent» entschärft dies in vielen Fällen.
- PSD2 (bei EU-Expansion): Geldflüsse über Plattformen fallen unter die Zahlungsdiensterichtlinie. Ein lizenzierter PSP mit Marketplace-Funktionalität ist Pflicht.
- UID-Pflicht: Schweizer Seller auf der Plattform benötigen eine UID-Nummer ab CHF 100'000 Jahresumsatz (MWST-Pflicht).
- AGB-Gestaltung: Klare Regelung der Haftungsverteilung zwischen Plattform, Seller und Käufer für Chargebacks, Retouren und Betrug.
Fraud Prevention für zweiseitige Märkte
Marketplaces haben ein doppeltes Betrugsrisiko – sowohl auf Käufer- als auch auf Seller-Seite:
Käufer-seitiger Betrug:
- Gestohlene Kreditkarten für Käufe → Standard-Fraud-Detection (3DS2, Velocity Checks, Device Fingerprinting)
- Friendly Fraud / unbegründete Chargebacks → Liefernachweis-Pflicht, Buyer-Reputation-System
Seller-seitiger Betrug:
- Fake-Produkte oder Nicht-Lieferung → Holdback-Periode vor Payout, Käuferschutz-Programm
- Geldwäsche über Schein-Transaktionen → Monitoring ungewöhnlicher Transaktionsmuster, KYC-Verifikation
- Self-Buying zur Geldauszahlung → IP- und Konten-Korrelationsanalyse
Empfehlung: Einen Chargeback-Reserve von 5–10 % der Seller-Umsätze für die ersten 90 Tage einbehalten.
Reconciliation-Komplexität
Marketplace-Reconciliation ist deutlich aufwändiger als bei einem Standard-Shop:
- Drei Geldströme: Käufer-Zahlung, Plattform-Fee, Seller-Payout müssen je Transaktion abgestimmt werden
- Timing-Differenzen: Capture, Fee-Abzug und Payout geschehen oft zu unterschiedlichen Zeitpunkten
- Chargebacks und Refunds: Rückbuchungen müssen korrekt auf Plattform und Seller aufgeteilt werden
- Multi-Währung: Bei internationalen Sellern kommen Wechselkursdifferenzen hinzu
Empfehlung: Von Beginn an eine automatisierte Reconciliation-Pipeline aufbauen (PSP-Export → Datenbank → Abgleich mit internem Ledger → Exception-Handling).
Skalierungsüberlegungen
| Phase | Seller-Anzahl | Empfehlung |
|---|---|---|
| MVP | 5–20 | Stripe Connect Standard, manuelles Onboarding, einfache Kommission |
| Wachstum | 20–200 | Stripe Connect Custom oder Adyen, automatisiertes KYC, Payout-Dashboard |
| Scale | 200–2000 | Multi-PSP-Setup, eigenes Ledger-System, dediziertes Payment-Ops-Team |
| Enterprise | 2000+ | Payment Orchestration, eigene FINMA-Lizenz prüfen, Treasury-Management |
Jede Phase bringt neue Komplexität in KYC, Payouts, Reconciliation und Compliance. Plane die nächste Phase mindestens 6 Monate im Voraus.
Fazit
Marketplace Payment sollte als Plattformfunktion geplant werden. Die Providerwahl muss technische, regulatorische und finanzielle Steuerung gleichzeitig abdecken. Starte mit einem spezialisierten Marketplace-PSP (Stripe Connect oder Adyen for Platforms), investiere früh in Onboarding-Automatisierung und Reconciliation, und kläre regulatorische Fragen vor dem Launch – nicht danach.
Häufige Fragen
Wann wird ein Standard-PSP für Marketplace zu klein?
Sobald Split-Payouts, Seller-Risiko und komplexe Reconciliation-Prozesse manuell nicht mehr stabil beherrscht werden.
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