Definition
Ein Chargeback ist die Rückbuchung einer Kartentransaktion durch die kartenausgebende Bank (Issuer), die auf Wunsch des Karteninhabers erfolgt. Der Händler verliert dabei den Transaktionsbetrag und wird zusätzlich mit einer Chargeback-Gebühr belastet. Im Gegensatz zu einem Refund wird ein Chargeback nicht vom Händler ausgelöst, sondern direkt über den Kartenprozess erzwungen.
Reason-Code-Kategorien
Jeder Chargeback wird mit einem Reason Code versehen. Die vier Hauptkategorien:
| Kategorie | Typische Reason Codes (Visa) | Beispiel | Anteil ca. |
|---|---|---|---|
| Betrug (Fraud) | 10.1, 10.4, 10.5 | Gestohlene Karte, kein 3DS | 40–50% |
| Ware/Dienstleistung | 13.1, 13.2, 13.3, 13.6 | Nicht erhalten, defekt, nicht wie beschrieben | 25–30% |
| Verarbeitung (Processing) | 12.1, 12.2, 12.5 | Doppelbelastung, falscher Betrag | 10–15% |
| Autorisierung | 11.1, 11.2, 11.3 | Abgelehnte Autorisierung trotzdem verarbeitet | 5–10% |
Friendly Fraud: Das unterschätzte Problem
Friendly Fraud (auch First-Party Fraud) liegt vor, wenn ein legitimer Karteninhaber eine Transaktion bestreitet, obwohl er die Ware oder Dienstleistung erhalten hat. Typische Szenarien:
- Familienmitglied hat bestellt, Karteninhaber erkennt die Buchung nicht
- Käufer will den Refund-Prozess umgehen
- Abonnement vergessen zu kündigen
Friendly Fraud macht schätzungsweise 40–60% aller Chargebacks aus und ist besonders schwer zu bekämpfen, da der Karteninhaber die Transaktion tatsächlich autorisiert hat.
Chargeback-Lifecycle: Zeitlicher Ablauf
| Phase | Zeitrahmen | Aktion |
|---|---|---|
| Streitfall gemeldet | Tag 0 | Karteninhaber kontaktiert seine Bank |
| Chargeback eingeleitet | Tag 1–5 | Issuer leitet den Chargeback an das Kartennetzwerk weiter |
| Händler benachrichtigt | Tag 5–15 | Acquirer/PSP informiert den Händler |
| Representment-Frist | 20–30 Tage | Händler reicht Beweise ein |
| Pre-Arbitration | Tag 45–60 | Issuer prüft die Beweise und entscheidet |
| Arbitration | Tag 60–120 | Kartennetzwerk fällt endgültige Entscheidung |
Gesamtdauer: Ein Chargeback-Verfahren kann sich über 3–4 Monate ziehen. Während dieser Zeit ist der Betrag blockiert.
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Zum Payment-Fit-CheckRepresentment: Erfolgsraten nach Kategorie
| Kategorie | Durchschnittliche Erfolgsrate | Schlüssel-Beweis |
|---|---|---|
| Betrug mit 3DS | 80–90% | 3D-Secure-Nachweis (Haftungsumkehr) |
| Betrug ohne 3DS | 15–25% | IP-Logs, Liefernachweis, AVS-Match |
| Ware nicht erhalten | 60–70% | Tracking-Nummer mit Unterschrift |
| Ware nicht wie beschrieben | 20–35% | Produktfotos, Beschreibung, Kommunikation |
| Doppelbelastung | 85–95% | Nachweis, dass nur einmal belastet |
| Abo-Streit | 30–40% | AGB-Akzeptanz, Nutzungslogs, Kündigungspolicy |
Evidenz-Checkliste für Representment
Sammeln Sie folgende Nachweise, bevor Sie ein Representment einreichen:
- [ ] Bestellbestätigung mit Zeitstempel und Kundendaten
- [ ] Liefer-/Tracking-Nachweis mit Empfangsbestätigung
- [ ] 3D-Secure-Authentifizierungsprotokoll (falls vorhanden)
- [ ] Kommunikationsverlauf mit dem Kunden (E-Mails, Chat)
- [ ] AGB und Rückgabebedingungen (akzeptiert bei Checkout)
- [ ] IP-Adresse und Device-Fingerprint der Bestellung
- [ ] AVS- und CVV-Match-Ergebnis der Autorisierung
- [ ] Nutzungslog bei digitalen Produkten oder SaaS
- [ ] Nachweis früherer erfolgreicher Transaktionen desselben Kunden
Finanzielle Auswirkungen: Modellrechnung
Für einen Schweizer Online-Shop mit CHF 500'000 Jahresumsatz und 0.8% Chargeback-Quote:
| Position | Berechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Chargebacks (Volumen) | CHF 500'000 × 0.8% | CHF 4'000 |
| Chargeback-Gebühren | 40 Fälle × CHF 25 | CHF 1'000 |
| Verlorene Ware (50% der Fälle) | 20 Fälle × CHF 60 Ø | CHF 1'200 |
| Interner Aufwand | 40 Fälle × 1h × CHF 50 | CHF 2'000 |
| Gesamtkosten | CHF 8'200 |
Das entspricht 1.64% des Umsatzes – deutlich mehr als die reinen Transaktionsgebühren der meisten PSPs.
Monitoring: KPIs und Schwellenwerte
| KPI | Grenzwert | Konsequenz bei Überschreitung |
|---|---|---|
| Chargeback-Quote (Volumen) | >0.9% (Visa) / >1.0% (Mastercard) | Einstufung ins Monitoring-Programm |
| Chargeback-Quote (Anzahl) | >100 Chargebacks/Monat UND >0.9% | VDMP (Visa Dispute Monitoring Program) |
| Betrugs-Chargeback-Quote | >0.9% (Visa VFMP) | Verschärftes Fraud-Monitoring |
| Exzessiv | >1.8% über 2 Monate | Strafgebühren bis USD 25'000/Monat |
Präventions-Tools im Vergleich
| Tool/Ansatz | Wirkung | Kosten | Am besten gegen |
|---|---|---|---|
| 3D Secure 2 | Haftungsumkehr bei Betrug | Im PSP enthalten | True Fraud |
| RDR (Rapid Dispute Resolution) | Automatische Rückerstattung vor Chargeback | CHF 5–15/Fall | Alle Kategorien |
| Ethoca/Verifi Alerts | Frühwarnung, Refund vor Eskalation | CHF 10–25/Alert | Friendly Fraud |
| Order Insight (Visa) | Transaktionsdetails an Issuer | CHF 5–10/Abfrage | Erkennungsprobleme |
| Klare Descriptoren | Erkennbarer Name auf Abrechnung | Kostenlos | Friendly Fraud |
| Proaktiver Kundenservice | Schnelle Rückerstattung vor Chargeback | Personalkosten | Alle Kategorien |
Prävention: Best Practices
- 3D Secure aktivieren – Bietet Haftungsumkehr bei Betrugs-Chargebacks und ist der wirksamste Einzelschutz.
- Klare Produktbeschreibungen – Reduziert «Ware nicht wie beschrieben»-Chargebacks erheblich.
- Erkennbarer Händlername – Stellen Sie sicher, dass Ihr Firmenname auf der Kartenabrechnung klar erkennbar ist (nicht der Holding- oder PSP-Name).
- Transparente Retourenprozesse – Ein einfacher Retourenprozess verhindert, dass Kunden den Chargeback-Weg als Alternative zum Refund nutzen.
- Proaktive Kommunikation – Versandbestätigungen, Verzögerungsbenachrichtigungen und einfache Kontaktmöglichkeiten senken die Disputrate.
- Chargeback-Alerts nutzen – Ethoca und Verifi Alerts ermöglichen es, einen Refund auszulösen, bevor der Chargeback formell eingeleitet wird.
- Monitoring-Dashboard einrichten – Überwachen Sie Ihre Chargeback-Quote wöchentlich, nicht erst bei der Monatsabrechnung.
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