Definition
Die Interchange Fee ist die Gebühr, die der Acquirer des Händlers an die kartenausgebende Bank (Issuer) des Kunden zahlt. Sie wird bei jeder Kartentransaktion fällig und ist der grösste Einzelposten in den Kartentransaktionskosten – typischerweise 60–80% der gesamten Gebühren.
Kostenstruktur einer Kartentransaktion
Jede Kartenzahlung setzt sich aus drei Gebührenblöcken zusammen:
| Gebührenblock | Empfänger | Typischer Anteil | Verhandelbar? |
|---|---|---|---|
| Interchange Fee | Issuer-Bank (z.B. UBS, ZKB) | 60–80% | Nein (vom Netzwerk festgelegt) |
| Scheme Fee | Kartennetzwerk (Visa, Mastercard) | 5–15% | Nein |
| Acquirer Markup | Acquirer/PSP (z.B. Worldline, Stripe) | 10–30% | Ja |
Beispielrechnung: CHF 100 Transaktion (Visa Credit, Schweizer Karte)
| Position | Betrag | Prozent |
|---|---|---|
| Interchange Fee | CHF 0.72 | 0.72% |
| Visa Scheme Fee | CHF 0.12 | 0.12% |
| Acquirer Markup | CHF 0.20 | 0.20% |
| Fixgebühr pro Transaktion | CHF 0.10 | – |
| Total Kosten | CHF 1.14 | ~1.14% |
Bei einer Blended Rate hätte derselbe Händler pauschal ca. 1.5–2.5% bezahlt – also CHF 1.50–2.50 statt CHF 1.14.
Schweiz vs. EU: Interchange-Raten im Vergleich
| Kartentyp | Schweiz (ungedeckelt) | EU (reguliert) | Differenz |
|---|---|---|---|
| Consumer Debit | 0.20–0.44% | Max. 0.20% | Bis +0.24% |
| Consumer Credit | 0.60–0.80% | Max. 0.30% | Bis +0.50% |
| Commercial/Corporate | 1.30–1.90% | 1.30–1.90% | Vergleichbar |
| Premium/Infinite | 1.20–1.80% | Max. 0.30% | Bis +1.50% |
| Internationale Karte | 1.50–2.00% | 0.20–0.30% (intra-EEA) | Deutlich höher |
Wichtig: Die Schweiz hat keine gesetzliche Interchange-Deckelung. Die Wettbewerbskommission (WEKO) hat zwar Vereinbarungen mit Visa und Mastercard getroffen, diese sind aber weniger restriktiv als die EU-Regulierung.
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Zum Payment-Fit-CheckInterchange-Raten nach Kartentyp (Schweiz, Richtwerte)
| Kartentyp | Interchange-Range | Häufigkeit im CH-Markt |
|---|---|---|
| Debit Mastercard / Visa Debit | 0.20–0.44% | Stark wachsend |
| Consumer Credit (Standard) | 0.60–0.80% | Häufig |
| Consumer Credit (Gold/Platinum) | 0.80–1.20% | Mittel |
| Consumer Credit (Infinite/World Elite) | 1.20–1.80% | Selten, aber teuer |
| Commercial/Corporate Card | 1.30–1.90% | B2B-Segment |
| Prepaid | 0.20–0.50% | Gering |
Trend: Schweizer Konsumenten wechseln zunehmend von Credit auf Debit (Visa Debit, Debit Mastercard). Das senkt die durchschnittliche Interchange langfristig.
IC++ vs. Blended Pricing: Rechenbeispiel
Angenommen ein Händler verarbeitet monatlich CHF 100'000 mit folgendem Kartenmix:
| Kartentyp | Anteil | Betrag | IC-Rate | IC-Kosten |
|---|---|---|---|---|
| Debit | 45% | CHF 45'000 | 0.30% | CHF 135 |
| Consumer Credit | 40% | CHF 40'000 | 0.72% | CHF 288 |
| Corporate | 10% | CHF 10'000 | 1.50% | CHF 150 |
| International | 5% | CHF 5'000 | 1.80% | CHF 90 |
Bei Interchange++ (IC++)
| Position | Berechnung | Monatliche Kosten |
|---|---|---|
| Interchange | Wie oben | CHF 663 |
| Scheme Fees | ~0.10% auf CHF 100'000 | CHF 100 |
| Acquirer Markup | 0.15% + CHF 0.08/Txn (2'000 Txn) | CHF 310 |
| Total IC++ | CHF 1'073 | |
| Effektiver Satz | 1.07% |
Bei Blended Rate (1.5%)
| Position | Berechnung | Monatliche Kosten |
|---|---|---|
| Blended Rate | 1.5% auf CHF 100'000 | CHF 1'500 |
| Total Blended | CHF 1'500 | |
| Effektiver Satz | 1.50% |
Ersparnis mit IC++: CHF 427/Monat = CHF 5'124/Jahr
Je höher der Debit-Anteil, desto grösser die Ersparnis mit IC++. Bei einem Kartenmix mit viel Corporate kann der Unterschied noch deutlicher ausfallen.
Verhandlungstipps für Schweizer Händler
Ab welchem Volumen lohnt sich IC++?
- Unter CHF 500'000/Jahr: Blended Rate oft pragmatischer (geringer Aufwand)
- CHF 500'000–2 Mio./Jahr: IC++ evaluieren – Ersparnis von CHF 2'000–8'000/Jahr möglich
- Über CHF 2 Mio./Jahr: IC++ fast immer günstiger – unbedingt umstellen
Konkrete Verhandlungshebel
- Acquirer Markup vergleichen: Mindestens 3 Angebote einholen (Worldline, Adyen, Concardis)
- Transaktionsgebühr (Fixanteil) separat verhandeln – bei hohem Volumen kann der Fixanteil auf CHF 0.05 gesenkt werden
- Laufzeit: Kürzere Vertragslaufzeiten (12 statt 36 Monate) ermöglichen regelmässige Nachverhandlung
- Debit-Routing: Prüfen, ob der Acquirer Debit-Transaktionen korrekt als Debit abrechnet (einige stufen Visa Debit als Credit ein)
- Branchenrabatte: Für Low-Risk-Branchen (z.B. Software, SaaS) bieten Acquirer oft günstigere Markups
Versteckte Kosten jenseits der Interchange
| Kostenart | Beschreibung | Typische Höhe |
|---|---|---|
| Scheme Fees | Netzwerkgebühren von Visa/Mastercard | 0.05–0.15% |
| Assessment Fee | Quartalsweise Netzwerkgebühr | 0.02–0.04% |
| Cross-Border Fee | Bei internationalen Karten | 0.20–1.00% zusätzlich |
| Currency Conversion Fee | Bei Fremdwährungstransaktionen | 0.50–1.50% |
| Chargeback Fee | Pro Rückbelastungsfall | CHF 15–50 pro Fall |
| PCI-Noncompliance Fee | Bei fehlendem PCI-Nachweis | CHF 10–50/Monat |
| Minimum Monthly Fee | Mindestgebühr bei geringem Volumen | CHF 20–50/Monat |
| Terminal-/Gateway-Gebühr | Monatliche Fixkosten | CHF 20–100/Monat |
Interchange optimieren: Praktische Schritte
- Aktuelle Kosten analysieren: Fordern Sie vom Acquirer eine detaillierte Abrechnung nach Kartentyp an
- Kartenmix verstehen: Welcher Anteil ist Debit, Credit, Corporate, International?
- IC++ prüfen: Ab CHF 500'000/Jahr fast immer günstiger als Blended
- Debit fördern: Debitkarten-Akzeptanz prominent kommunizieren (z.B. Visa Debit Logo im Checkout)
- Domestic Acquiring nutzen: Sicherstellen, dass der Acquirer eine Schweizer Lizenz hat, um Cross-Border-Zuschläge zu vermeiden
- Corporate Cards identifizieren: Hohe Interchange bei Corporate Cards ggf. durch Surcharging oder alternative Zahlungsmethoden kompensieren
- Regelmässig benchmarken: Payment-Kosten jährlich mit Marktangeboten vergleichen
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