Definition
Ein Payment Facilitator (PayFac) ist ein registrierter Master-Merchant, der es Sub-Merchants ermöglicht, Kartenzahlungen zu akzeptieren, ohne einen eigenen Acquirer-Vertrag abzuschliessen. Der PayFac agiert als Zwischenschicht zwischen dem Kartennetzwerk und den angebundenen Händlern.
Wie das PayFac-Modell funktioniert
- Registrierung: Der PayFac schliesst einen Vertrag mit einem Acquirer ab und wird bei den Kartennetzwerken registriert.
- Sub-Merchant Onboarding: Händler werden unter dem PayFac-Konto angelegt -- oft in Minuten statt Wochen.
- Transaktionsverarbeitung: Alle Transaktionen laufen über die Merchant-ID des PayFac.
- KYC und Compliance: Der PayFac übernimmt Know-Your-Customer-Prüfungen und PCI-DSS-Pflichten.
- Auszahlung: Der PayFac erhält die Gesamtsumme und verteilt sie an die Sub-Merchants.
PayFac vs. klassisches Acquiring
| Kriterium | Klassisches Acquiring | PayFac-Modell |
|---|---|---|
| Onboarding-Zeit | 2–6 Wochen | Minuten bis Stunden |
| Vertrag | Direkt mit Acquirer | Über PayFac |
| KYC-Verantwortung | Acquirer | PayFac |
| Merchant-ID | Eigene MID | Shared (Sub-MID) |
| Preisgestaltung | Individuell verhandelbar | Vom PayFac vorgegeben |
| Risikohaftung | Acquirer + Merchant | PayFac + Acquirer |
| Berichtswesen | Direkt vom Acquirer | Über PayFac-Dashboard |
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Zum Payment-Fit-CheckVorteile des PayFac-Modells
- Sofortiger Start: Sub-Merchants können innerhalb von Minuten Zahlungen akzeptieren.
- Einfachheit: Kein eigener Acquirer-Vertrag, kein eigenes PCI-DSS-Assessment.
- Zentrales Management: Ein Dashboard für alle Sub-Merchants.
- Embedded Payments: Plattformen können Zahlungsfunktionalität nahtlos integrieren.
Nachteile und Risiken
- Preisaufschlag: PayFac-Gebühren liegen typischerweise über Direkt-Acquiring.
- Weniger Kontrolle: Sub-Merchants haben wenig Einfluss auf Konditionen.
- Abhängigkeit: Bei Problemen mit dem PayFac sind alle Sub-Merchants betroffen.
- Volumenlimit: Ab hohem Volumen (>CHF 1 Mio./Monat) lohnt sich oft eigenes Acquiring.
Bekannte PayFacs und ihre Schweizer Relevanz
| Anbieter | Modell | Schweizer Verfügbarkeit |
|---|---|---|
| Stripe | Full-Stack PayFac | Ja, direkt verfügbar |
| PayPal | PayFac + Wallet | Ja |
| Square | PayFac + POS | Eingeschränkt (kein CH-Acquiring) |
| Adyen for Platforms | PayFac-ähnlich | Ja, für grössere Plattformen |
| Shopify Payments | Embedded PayFac | Ja (via Stripe) |
Wann ist das PayFac-Modell relevant?
Ideal für:
- Marktplätze: Schnelles Seller-Onboarding und automatische Split-Payouts
- SaaS-Plattformen: Embedded Payments als Feature für Endkunden
- Franchise-Systeme: Zentrales Payment-Management für viele Standorte
- Plattformen mit vielen Kleinst-Merchants: Wo individuelles Acquiring unwirtschaftlich wäre
Weniger geeignet für:
- Einzelhändler mit hohem Volumen (eigenes Acquiring günstiger)
- Unternehmen mit speziellen Acquiring-Anforderungen
- Branchen mit erhöhtem Risikoprofil (Travel, Gambling)
Regulatorische Aspekte in der Schweiz
PayFacs unterliegen strengen Anforderungen der Kartennetzwerke:
- PCI-DSS Level 1: Pflicht für alle PayFacs
- AML/KYC: Verantwortung für Sub-Merchant-Identifikation
- FINMA-Relevanz: Je nach Ausgestaltung kann eine Bewilligung als Zahlungsinstitut erforderlich sein
- Meldepflichten: Regelmässiges Reporting an Acquirer und Kartennetzwerke
Kosten-Entscheidungsmatrix
| Monatliches Volumen | Empfehlung |
|---|---|
| < CHF 10'000 | PayFac-Modell (einfachster Einstieg) |
| CHF 10'000–100'000 | PayFac sinnvoll, Direkt-Acquiring evaluieren |
| CHF 100'000–1 Mio. | Direkt-Acquiring oft günstiger |
| > CHF 1 Mio. | Direkt-Acquiring mit IC++ empfohlen |
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