Definition
Payment Orchestration ist eine Zwischenschicht (Orchestration Layer), die mehrere Payment Provider über eine einheitliche API integriert. Sie ermöglicht es, Transaktionen dynamisch an den optimalen Provider zu routen – basierend auf Kosten, Verfügbarkeit, Conversion-Rate oder geografischen Kriterien.
Architektur: Wie Payment Orchestration aufgebaut ist
Eine typische Payment-Orchestration-Plattform sitzt zwischen dem Checkout des Händlers und den angebundenen PSPs/Acquirern:
Shop/App → Orchestration Layer → PSP A / PSP B / PSP C → Kartennetzwerke → Issuer
Der Orchestration Layer übernimmt dabei folgende Aufgaben:
- Normalisierung – Alle PSP-APIs werden auf ein einheitliches Format gemapped
- Routing-Engine – Regeln bestimmen, welcher PSP die Transaktion erhält
- Failover-Manager – Bei Ausfall oder Ablehnung wird automatisch umgeroutet
- Token Vault – Kartendaten werden zentral tokenisiert (PSP-unabhängig)
- Reporting Hub – Konsolidierte Auswertung über alle Provider
Kernfunktionen im Detail
Smart Routing: Routing-Regel-Beispiele
| Regel | Logik | Ziel |
|---|---|---|
| Kostenoptimierung | Route Visa EU-Karten über Acquirer mit tiefster Interchange | Gebühren senken |
| Geografie | Route CH-Karten über lokalen Acquirer, EU-Karten über Adyen | Autorisierungsrate erhöhen |
| Betragsschwelle | Transaktionen >CHF 500 über Acquirer mit besserer Fraud-Engine | Risiko minimieren |
| Zahlungsmethode | TWINT → Direktintegration, Kreditkarte → PSP A | Methodenabdeckung |
| A/B-Test | 50% über PSP A, 50% über PSP B für gleiche Kartenkategorie | Performance messen |
| Cascade | Erst PSP A; bei Ablehnung (Soft Decline) → PSP B | Conversion maximieren |
Failover: Szenario-Walkthrough
Ausgangslage: Kunde bezahlt CHF 149 mit Visa im Online-Shop.
- Orchestration Layer routet an PSP A (primärer Provider) → Timeout nach 8 Sekunden
- Automatischer Failover zu PSP B → Soft Decline (Fehlercode: insufficient_funds)
- Cascade zu PSP C → Autorisierung erfolgreich ✅
Ohne Orchestration: Die Transaktion wäre beim Timeout oder Soft Decline gescheitert. Der Kunde hätte den Checkout verlassen. Mit Orchestration wird die Conversion gerettet – typischerweise können 3–8% zusätzliche Transaktionen durch Cascading gewonnen werden.
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Zum Payment-Fit-CheckKosteneinsparungen: Rechenbeispiel
Für einen Schweizer E-Commerce-Händler mit CHF 5 Mio. Jahresvolumen:
| Position | Ohne Orchestration | Mit Orchestration | Einsparung |
|---|---|---|---|
| Durchschnittliche Blended Rate | 1.85% | 1.65% (optimiertes Routing) | CHF 10'000 |
| Verlorene Transaktionen (Declines) | 5% = CHF 250'000 | 3.5% durch Cascading | CHF 75'000 Mehrumsatz |
| Reconciliation-Aufwand | 40h/Monat manuell | 10h/Monat (konsolidiert) | CHF 18'000/Jahr |
| PSP-Wechselkosten | Hohe Switching Costs | Geringe (ein API-Wechsel) | Flexibilität |
| Geschätzter Gesamt-ROI | CHF 50'000–100'000/Jahr |
Wann lohnt sich Payment Orchestration?
Sinnvoll ab
- CHF 500'000+ monatliches Zahlungsvolumen – Darunter lohnt sich die Komplexität selten
- Mehr als 2 aktive PSPs/Acquirer – Sonst gibt es wenig zu orchestrieren
- Internationale Märkte – Lokale Acquirer in verschiedenen Ländern
- Hohe Decline-Raten – Cascading als Lösung
- Regulatorische Anforderungen – Daten müssen in bestimmten Regionen bleiben
Wann ist es Overkill?
- Monatsvolumen unter CHF 100'000
- Nur ein Markt (z.B. ausschliesslich Schweiz)
- Weniger als 3 Zahlungsmethoden
- Stabile, tiefe Decline-Rate (<2%)
- Kein geplantes internationales Wachstum
In diesen Fällen reicht eine direkte PSP-Integration mit gelegentlicher manueller Optimierung.
Build vs. Buy
| Kriterium | Eigenbau | Orchestration-Plattform |
|---|---|---|
| Time-to-Market | 6–12 Monate | 4–8 Wochen |
| Initiale Kosten | CHF 150'000–300'000 Entwicklung | CHF 0–10'000 Setup |
| Laufende Kosten | 1–2 FTE Maintenance | 0.02–0.10% des Volumens |
| Flexibilität | Maximal (eigener Code) | Abhängig von Plattform-Features |
| PCI-Compliance | Eigene Zertifizierung nötig | Über Plattform abgedeckt |
| Neue PSPs anbinden | 4–8 Wochen pro Provider | Tage (vorkonfigurierte Connectoren) |
| Empfohlen für | >CHF 100 Mio. Volumen, spezifische Anforderungen | CHF 5–100 Mio. Volumen |
Orchestration-Plattformen im Vergleich
| Plattform | Stärken | Schwächen | Pricing-Modell | CH-Relevanz |
|---|---|---|---|---|
| Spreedly | Breite PSP-Abdeckung (200+), reifer Token Vault | Kein eigenes Routing-UI | Per Transaktion | Mittel |
| Primer | Modernes UI, starke Workflow-Engine | Jüngere Plattform | Per Transaktion | Mittel |
| IXOPAY | EU-fokussiert, starke Compliance | Weniger PSP-Connectoren | Lizenz + Transaktion | Hoch (DACH-Fokus) |
| Gr4vy | Cloud-native, Developer-friendly | Klein, wenig Track Record | Per Transaktion | Tief |
| Payaut | Marketplace-fokussiert, Split Payments | Nischen-Lösung | Volumenbasiert | Tief |
Implementierungs-Timeline
| Phase | Dauer | Aktivitäten |
|---|---|---|
| Discovery & Evaluation | 2–4 Wochen | Anforderungen definieren, Plattformen evaluieren |
| Setup & Konfiguration | 1–2 Wochen | Account-Einrichtung, PSP-Connectoren aktivieren |
| Integration | 2–4 Wochen | API-Anbindung, Token-Migration, Routing-Regeln |
| Testing | 1–2 Wochen | Sandbox-Tests, Failover-Tests, Load-Tests |
| Soft Launch | 1–2 Wochen | 10–20% Traffic umleiten, Monitoring |
| Full Rollout | 1 Woche | Restlicher Traffic, Reporting validieren |
| Gesamt | 8–15 Wochen |
Handlungsempfehlungen
- Starten Sie mit einem klaren Routing-Ziel – Kostenoptimierung, Conversion-Steigerung oder Ausfallsicherheit. Versuchen Sie nicht, alles gleichzeitig zu optimieren.
- Migrieren Sie Tokens frühzeitig – Der grösste Lock-in bei PSPs entsteht durch gespeicherte Kartendaten. Ein plattformunabhängiger Token Vault gibt Ihnen Flexibilität.
- Messen Sie den Baseline vor der Einführung – nur so können Sie den tatsächlichen ROI der Orchestration nachweisen.
- Planen Sie Failover-Tests regelmässig ein – Ein Failover, der nie getestet wurde, funktioniert im Ernstfall selten.
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