Definition
Recurring Payments sind wiederkehrende Zahlungen, bei denen ein Kunde einmalig seine Zahlungsdaten hinterlegt und anschliessend periodisch (z.B. monatlich, jährlich) belastet wird. Sie bilden das technische Fundament für Abo-Modelle, SaaS-Billing und Mitgliedschaften.
Varianten und MIT-Typen
Recurring Payments lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen:
| Typ | Beschreibung | SCA-Anforderung | Beispiel |
|---|---|---|---|
| CIT (Customer-Initiated) | Kunde löst die Zahlung selbst aus | SCA bei jeder Transaktion | Erstzahlung eines Abos, manuelles Top-up |
| MIT (Merchant-Initiated) | Händler löst Zahlung ohne Kundeninteraktion aus | SCA-Exempt (nach Erstfreigabe) | Abo-Verlängerung, nutzungsbasierte Abrechnung |
MIT-Untertypen im Detail
- Fixed Recurring: Gleicher Betrag in festem Intervall. Beispiel: CHF 29.90/Monat für ein SaaS-Abo.
- Variable Recurring: Wechselnde Beträge in festem Intervall. Beispiel: Telefonrechnung basierend auf Nutzung.
- Unscheduled MIT: Ohne festes Intervall, aber durch Kundenvereinbarung abgedeckt. Beispiel: Auto-Top-up bei Guthaben unter CHF 10.
- Installments: Feste Anzahl Zahlungen für einen Gesamtbetrag. Beispiel: 12× CHF 99 statt einmalig CHF 1'188.
SCA-Exemption für Recurring Payments
Seit PSD2/SCA muss die erste Zahlung einer Recurring-Serie immer mit starker Kundenauthentifizierung (3D Secure) durchgeführt werden. Folgetransaktionen können als MIT ohne SCA abgewickelt werden – vorausgesetzt:
- Die Erstzahlung wurde mit SCA-Flag «recurring» authentifiziert
- Der Token referenziert die ursprüngliche Transaktion (Trace-ID)
- Der Betrag liegt im vereinbarten Rahmen (bei Fixed Recurring: identisch)
Praxistipp: Speichern Sie die Authentifizierungsreferenz der Erstzahlung sorgfältig. Fehlt diese, kann der Issuer nachfolgende MITs ablehnen.
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Zum Payment-Fit-CheckDunning: Strategie bei fehlgeschlagenen Zahlungen
Fehlgeschlagene wiederkehrende Zahlungen sind unvermeidlich (abgelaufene Karten, Limit erreicht, technische Fehler). Eine gute Dunning-Strategie entscheidet über Ihre Churn-Rate.
Retry-Timing: Best Practices
| Versuch | Zeitpunkt | Begründung |
|---|---|---|
| 1. Retry | 24 Stunden nach Fehlschlag | Temporäre Probleme (Limit, Server) beheben sich oft schnell |
| 2. Retry | 3 Tage nach Fehlschlag | Neuer Abrechnungszyklus der Karte kann greifen |
| 3. Retry | 7 Tage nach Fehlschlag | Kunde hat ggf. Karte aufgeladen oder neues Limit |
| 4. Retry | 14 Tage nach Fehlschlag | Letzter automatischer Versuch |
| Kundenkontakt | Nach 14 Tagen | E-Mail/SMS mit Aufforderung, Zahlungsdaten zu aktualisieren |
| Kündigung | Nach 28–30 Tagen | Service pausieren oder kündigen |
Aggressive vs. Gentle Dunning
| Aspekt | Aggressive Strategie | Gentle Strategie |
|---|---|---|
| Retries | 6–8 Versuche in 14 Tagen | 3–4 Versuche in 28 Tagen |
| Kommunikation | Sofortige Warn-E-Mails | Freundliche Erinnerung nach 2. Fehlschlag |
| Service-Einschränkung | Sofort nach 1. Fehlschlag | Erst nach 14 Tagen |
| Recovery-Rate | 60–70% | 50–65% |
| Kundenwahrnehmung | Kann negativ sein | Besser, fördert Loyalität |
| Geeignet für | B2B-SaaS, Pflichtabos | B2C, Lifestyle-Abos, Freemium |
Empfehlung: Starten Sie «gentle» und verschärfen Sie selektiv für Accounts mit wiederholtem Zahlungsausfall.
Card Updater Services
Karten laufen ab oder werden ersetzt – das ist eine der häufigsten Ursachen für fehlgeschlagene Recurring Payments. Card Updater Services (auch Account Updater genannt) aktualisieren gespeicherte Kartendaten automatisch:
| Service | Anbieter | Funktionsweise |
|---|---|---|
| Visa Account Updater (VAU) | Visa | Automatische Updates für Visa-Karten |
| Automatic Billing Updater (ABU) | Mastercard | Automatische Updates für Mastercard |
| Network Token | Visa/Mastercard | Ersetzt PAN durch Netzwerk-Token, automatische Updates |
Impact: Card Updater Services können die unfreiwillige Churn um 2–5 Prozentpunkte reduzieren. Die meisten grossen PSPs (Stripe, Adyen, Braintree) integrieren diese Services automatisch.
Subscription-Metriken: Was Sie messen sollten
| Metrik | Formel | Zielwert |
|---|---|---|
| MRR (Monthly Recurring Revenue) | Summe aller monatlichen Recurring-Beträge | Wachsend |
| Involuntary Churn | Abmeldungen durch Zahlungsausfall / Gesamt | <1% pro Monat |
| Voluntary Churn | Aktive Kündigungen / Gesamt | <3% pro Monat |
| Recovery Rate | Erfolgreich wiederhergestellte / fehlgeschlagene Zahlungen | >70% |
| Dunning Effectiveness | Nach Dunning wiederhergestellt / In Dunning eingetreten | >50% |
| Payment Failure Rate | Fehlgeschlagene / Versuchte Zahlungen | <5% |
Anbietervergleich: Recurring-Funktionen
| Feature | Stripe Billing | Adyen | Chargebee | Recurly |
|---|---|---|---|---|
| Automatisches Retry | ✅ Smart Retries | ✅ | ✅ Konfigurierbar | ✅ |
| Card Updater | ✅ | ✅ | Via PSP | Via PSP |
| Dunning-Flows | ✅ Anpassbar | Begrenzt | ✅ Umfangreich | ✅ Umfangreich |
| Proration | ✅ | Manuell | ✅ | ✅ |
| Trial-Management | ✅ | Begrenzt | ✅ | ✅ |
| Revenue Recognition | ✅ (Revenue Cat) | Manuell | ✅ | ✅ |
| Schweizer Methoden (TWINT, LSV) | TWINT ja, LSV nein | Ja | Via PSP | Via PSP |
| Preismodelle (Usage-based) | ✅ | Begrenzt | ✅ | ✅ |
Failed-Payment-Recovery: Benchmarks
| Recovery-Methode | Durchschnittliche Recovery-Rate |
|---|---|
| Automatisches Retry (Smart) | 40–55% |
| Card Updater Service | 20–30% (zusätzlich) |
| E-Mail-Dunning | 10–15% (zusätzlich) |
| In-App-Notification | 5–10% (zusätzlich) |
| SMS-Benachrichtigung | 3–5% (zusätzlich) |
| Kombiniert | 70–85% |
Handlungsempfehlungen
- Implementieren Sie Smart Retries statt stumpfer Wiederholung – der optimale Zeitpunkt variiert nach Fehlertyp und Issuer.
- Aktivieren Sie Card Updater Services über Ihren PSP. Der ROI ist fast immer positiv.
- Trennen Sie freiwillige und unfreiwillige Churn in Ihrem Reporting. Nur so erkennen Sie, ob ein Payment- oder ein Produktproblem vorliegt.
- Testen Sie verschiedene Dunning-E-Mails – Betreffzeile und Timing haben signifikanten Einfluss auf die Recovery-Rate.
- Nutzen Sie Network Tokens statt roher Kartennummern. Sie bieten bessere Autorisierungsraten und automatische Updates.
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