Settlement ist ein Liquiditätsthema
Auszahlungsfristen entscheiden, wie schnell Umsätze als verfügbare Mittel nutzbar sind. Für Schweizer Unternehmen mit saisonalen Peaks oder hohem Wareneinsatz kann ein Tag Verzögerung bei CHF 500 000 Monatsumsatz bereits CHF 16 000 gebundenes Kapital pro Tag bedeuten – Kapital, das weder für Einkauf noch Marketing verfügbar ist.
Wichtige Begriffe im Settlement-Prozess
- Capture: Endgültige Belastung einer autorisierten Zahlung. Bei Pre-Auth-Modellen vergehen zwischen Autorisierung und Capture oft 1–7 Tage.
- Settlement: Verrechnung zwischen Kartennetzwerk und Acquirer. Visa und Mastercard settlen in der Schweiz typisch T+1, TWINT T+0 bis T+1.
- Payout (Auszahlung): Überweisung des Netto-Settlement-Betrags auf dein Geschäftskonto. Hier liegt der grösste Hebel für Finance Teams.
Net Settlement vs. Gross Settlement
| Merkmal | Net Settlement | Gross Settlement |
|---|---|---|
| Auszahlung | Umsatz minus Gebühren | Voller Transaktionsbetrag |
| Gebühren-Abzug | Automatisch vor Payout | Separate Rechnung (monatlich/wöchentlich) |
| Cashflow-Transparenz | Schwieriger abzustimmen | Einfacher zu reconcilien |
| Typisch bei | Stripe, Adyen | Worldline, SIX (traditionelle Acquirer) |
| Empfohlen für | KMU mit tiefem Volumen | Unternehmen ab CHF 1 Mio. Jahresumsatz |
Gross Settlement vereinfacht die Buchhaltung, weil Umsatz und Gebühren getrennt erscheinen. Prüfe bei deinem Provider, ob die Option verfügbar ist.
T+N-Modell: Provider-Vergleich Schweiz
| Provider | Standard-Payout | Express-Option | Wochenend-Handling |
|---|---|---|---|
| Stripe | T+2 (Werktage) | Instant Payout (CHF 0.50 + 1 %) | Kein Payout Sa/So |
| Adyen | T+1 bis T+3 (konfigurierbar) | Keine Express-Option | Settlement täglich, Payout nur Werktage |
| Worldline | T+2 bis T+5 (vertragsabhängig) | Nicht verfügbar | Settlement-Verzögerung über Feiertage |
| PostFinance Checkout | T+3 bis T+5 | Nicht verfügbar | Kein Payout an CH-Feiertagen |
T+N bezieht sich immer auf Bankarbeitstage. Zwischen einem Freitag-Sale und dem Montag-Settlement liegen effektiv T+3 Kalendertage – an einem Osterwochenende bis zu T+5.
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Zum Payment-Fit-CheckLiquiditätsimpact: Rechenbeispiel CHF 500 000 Monatsumsatz
| Szenario | Ø gebundenes Kapital | Opportunitätskosten (4 % p.a.) |
|---|---|---|
| T+1 | CHF 16 667 | CHF 667 / Jahr |
| T+2 | CHF 33 333 | CHF 1 333 / Jahr |
| T+3 | CHF 50 000 | CHF 2 000 / Jahr |
| T+5 | CHF 83 333 | CHF 3 333 / Jahr |
Bei saisonalen Peaks (z. B. November/Dezember mit doppeltem Volumen) verdoppelt sich das gebundene Kapital entsprechend.
Weekend- und Feiertags-Puffer
Schweizer Feiertage (26 Tage inkl. kantonaler Feiertage) erzeugen regelmässig 3–4-tägige Auszahlungslücken. Praktische Gegenmassnahmen:
- Feiertagskalender pflegen – Alle CH-Bankfeiertage plus Provider-spezifische Settlement-Pausen dokumentieren.
- Liquiditätsreserve von 5–7 Tagesumsätzen als Puffer auf dem Betriebskonto halten.
- Zahlungsmix diversifizieren – TWINT (T+0–1) und Vorkasse ergänzen, um schneller liquide Mittel zu generieren.
Rolling Reserve: Wann der Provider Geld zurückhält
Einige Provider halten 5–10 % des Umsatzes als Rolling Reserve für Chargebacks und Refunds ein. Typische Parameter:
- Reserve-Satz: 5–10 % des Transaktionsvolumens
- Haltefrist: 90–180 Tage
- Freigabe: Rollierend nach Ablauf der Haltefrist
Betroffen sind vor allem Branchen mit hohem Chargeback-Risiko (Travel, Digital Goods, Abos). Verhandle die Reserve-Bedingungen aktiv und prüfe, ob nach 6–12 Monaten Track Record eine Reduktion möglich ist.
Reconciliation-Workflow: 5 Schritte
- Täglicher Abgleich: Payment-Provider-Report mit Bankkontoauszug matchen (Betrag, Datum, Referenz).
- Differenz-Identifikation: Abweichungen über CHF 50 sofort flaggen – häufigste Ursachen: Refunds, Chargebacks, Währungseffekte.
- Gebühren-Kontrolle: Effektive Gebühren pro Periode mit Vertragstarif abgleichen.
- Offene-Posten-Klärung: Ungematchte Transaktionen innerhalb von 48 Stunden eskalieren.
- Monatlicher Abschluss: Alle Settlement-Konten reconciled, Differenzen dokumentiert und Massnahmen definiert.
Cashflow-Forecasting-Integration
Verknüpfe dein Payment-Reporting mit der Liquiditätsplanung:
- Tagesumsatz × (1 – Ø Gebühr %) = erwarteter Netto-Payout mit T+N-Versatz einplanen
- Refund-Quote (typisch 3–8 % im E-Commerce) als Abzug berücksichtigen
- Saisonale Volumen-Schwankungen mit Vorjahreswerten kalibrieren
- Rolling Reserve als gebundenes Kapital separat ausweisen
Red Flags: Wann du handeln musst
- Auszahlung dauert regelmässig länger als vertraglich vereinbart → Provider kontaktieren, SLA einfordern
- Unerklärte Differenzen zwischen Settlement-Report und Bankeingang → Reconciliation-Prozess verschärfen
- Rolling Reserve steigt ohne Kommunikation → Eskalieren, Ursache klären (steigende Chargebacks?)
- Wechselkursverluste bei Multi-Currency-Setup → FX-Strategie prüfen (Provider-Kurs vs. eigener Bankpartner)
Finance-Team-Checkliste Settlement
- [ ] Settlement-Frequenz und T+N für jeden aktiven Provider dokumentiert
- [ ] Net vs. Gross Settlement konfiguriert und in Buchhaltung abgebildet
- [ ] Feiertagskalender für Settlement-Pausen gepflegt
- [ ] Liquiditätspuffer für Wochenend-/Feiertagslücken kalkuliert
- [ ] Rolling-Reserve-Bedingungen geprüft und verhandelt
- [ ] Täglicher Reconciliation-Prozess implementiert
- [ ] Cashflow-Forecast integriert Payment-Settlement-Daten
- [ ] Monatlicher Review-Termin mit Payment-Ops etabliert
- [ ] Eskalationspfad für verspätete Auszahlungen definiert
Häufige Fragen
Was bedeutet T+2 Auszahlung?
Die Auszahlung erfolgt in der Regel zwei Bankarbeitstage nach erfolgreicher Transaktion.
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