Karten sind weiterhin das Rückgrat
Auch mit wachsender Wallet- und TWINT-Nutzung bleiben Karten zentral. Sie sind Grundlage für viele Wallets (Apple Pay, Google Pay nutzen hinterlegte Karten) und für internationale Käufe unverzichtbar. In der Schweiz werden rund 35 % aller Online-Zahlungen direkt per Karte abgewickelt – inkl. Wallet-basierter Kartenzahlungen sind es über 50 %.
Kartenschema-Vergleich
| Kriterium | Visa | Mastercard | American Express | Diners Club |
|---|---|---|---|---|
| Marktanteil CH (Karten) | ~45 % | ~40 % | ~10 % | ~2 % |
| Debit-Variante | Visa Debit | Debit Mastercard | – | – |
| Interchange (Debit, CH) | 0,2–0,5 % | 0,2–0,5 % | – | – |
| Interchange (Credit, CH) | 0,7–1,5 % | 0,7–1,5 % | – | – |
| Scheme Fee | ~0,1 % | ~0,1 % | – | – |
| Händlergebühr (Amex) | – | – | 2,5–3,5 % (Dreiparteienmodell) | 2,5–3,0 % |
| Akzeptanzpflicht | Weit verbreitet | Weit verbreitet | Nur bei expliziter Vereinbarung | Selten gefordert |
| Kontaktlos (NFC) | Ja | Ja | Ja | Ja |
| 3DS2-Support | Ja | Ja | Ja (SafeKey) | Eingeschränkt |
Visa und Mastercard sind Pflicht. American Express lohnt sich bei internationalem Kundenstamm oder im Premium-Segment (Geschäftsreisende, High-Spender). Diners Club ist in der Schweiz marginal.
Debit vs Credit: Kostenunterschied
Der Unterschied zwischen Debit- und Kreditkarten ist kostenrelevant:
| Kartentyp | Interchange-Rate (CH) | Typische Gesamtgebühr | Beispiel (CHF 100) |
|---|---|---|---|
| Visa Debit | 0,2–0,3 % | 0,8–1,2 % | CHF 0.80–1.20 |
| Mastercard Debit | 0,2–0,3 % | 0,8–1,2 % | CHF 0.80–1.20 |
| Visa Credit (Consumer) | 0,7–1,2 % | 1,5–2,2 % | CHF 1.50–2.20 |
| Mastercard Credit (Consumer) | 0,7–1,2 % | 1,5–2,2 % | CHF 1.50–2.20 |
| Visa Credit (Commercial) | 1,5–2,0 % | 2,2–2,8 % | CHF 2.20–2.80 |
| American Express | Nicht öffentlich | 2,5–3,5 % | CHF 2.50–3.50 |
Der Trend zu Debitkarten (Visa Debit, Debit Mastercard) senkt die durchschnittlichen Kartenkosten. In der Schweiz machen Debitkarten bereits ca. 40 % aller Online-Kartentransaktionen aus – Tendenz steigend.
Interchange-Rates in der Schweiz
Die Schweiz ist nicht an die EU-Interchange-Regulierung gebunden (max. 0,2 % Debit / 0,3 % Credit in der EU). Schweizer Interchange-Rates sind daher höher:
- Consumer Debit: 0,2–0,5 % (freiwillige Angleichung an EU-Niveau durch Wettbewerbsdruck)
- Consumer Credit: 0,7–1,5 % (deutlich über EU-Niveau)
- Commercial/Corporate: 1,5–2,5 % (unreguliert, deutlich teurer)
- Cross-Border (EU→CH): +0,5–1,0 % Aufschlag auf Basis-Interchange
Für Interchange++-Verträge gilt: Die tatsächliche Interchange wird 1:1 durchgereicht, plus Acquirer-Markup (typisch 0,1–0,3 %) und Scheme Fee (~0,1 %). Diese Transparenz ermöglicht gezielte Optimierung.
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Zum Payment-Fit-Check3DS2 und Auswirkungen auf die Kartenakzeptanz
3D Secure 2 (3DS2) ist der Standard für starke Kundenauthentifizierung (SCA). In der Schweiz nicht regulatorisch vorgeschrieben (kein PSD2), aber von den meisten Acquirern empfohlen:
- Frictionless Flow: Issuer authentifiziert den Karteninhaber im Hintergrund basierend auf Risikodaten. Kein zusätzlicher Schritt für den Kunden. Erfolgsrate: 85–95 %.
- Challenge Flow: Karteninhaber muss sich aktiv authentifizieren (SMS-Code, App-Freigabe). Conversion-Drop: 10–30 % der Challenges werden abgebrochen.
- Liability Shift: Bei erfolgreicher 3DS2-Authentifizierung verschiebt sich die Chargeback-Haftung vom Händler zum Issuer.
Optimierungsstrategien:
- Maximale Datenanreicherung an den Issuer senden (Browser-Daten, Geräte-Fingerprint, Kundenhistorie) → höhere Frictionless-Rate
- 3DS2 nur ab bestimmtem Schwellenwert aktivieren (z. B. > CHF 30) bei Transaktionen mit niedrigem Risiko
- Exemptions nutzen (Low Value, TRA – Transaction Risk Analysis) wo möglich
Kontaktlos/NFC: Adoptionsdaten Schweiz
Die Schweiz ist einer der führenden Märkte für kontaktlose Zahlungen:
- Kontaktlos-Anteil am POS: Über 80 % aller Kartenzahlungen (2025)
- Limite ohne PIN: CHF 80 (seit 2024 erhöht von CHF 40)
- Mobile Payment (Apple Pay/Google Pay): ~25 % aller kontaktlosen Transaktionen, Tendenz stark steigend
- Wearables: Samsung Pay, Garmin Pay und andere Wearable-Zahlungen wachsen, aber noch < 3 % Marktanteil
Für Online-Händler ist die Kontaktlos-Adoption indirekt relevant: Kunden, die an Tap-to-Pay gewöhnt sind, erwarten auch online schnelle Checkout-Flows (One-Click, Wallets).
Corporate Cards: Besonderheiten
Für B2B-Händler und Anbieter mit Geschäftskunden:
- Höhere Interchange: Commercial Cards kosten 1,5–2,5 % – deutlich mehr als Consumer Cards
- Purchasing Cards (P-Cards): Spezielle Firmenkarten für Beschaffung. Unterstützen Level 2/3 Daten (Bestellnummer, Artikeldetails) für niedrigere Interchange.
- Virtual Cards: Einmal-Kartennummern für Online-Einkäufe, zunehmend verbreitet bei Travel Management und Procurement
- Abrechnung: Corporate Cards werden oft zentral über das Unternehmen abgerechnet (nicht privat). Rechnungsversand an die Firma berücksichtigen.
Cross-Border-Surcharges
Wenn ein Schweizer Händler mit einem Acquiring-Vertrag in der Schweiz eine europäische Karte akzeptiert (oder umgekehrt), fallen Cross-Border-Gebühren an:
| Szenario | Zusätzliche Kosten |
|---|---|
| CH-Acquirer, CH-Karte | Kein Aufschlag (Domestic) |
| CH-Acquirer, EU-Karte | +0,5–1,0 % Cross-Border Interchange |
| EU-Acquirer, CH-Karte | +0,5–1,0 % Cross-Border Interchange |
| CH-Acquirer, Nicht-EU-Karte | +1,0–1,5 % Inter-Regional Fee |
Optimierung: Bei relevantem EU-Geschäft einen zusätzlichen EU-Acquiring-Vertrag prüfen (z. B. über Adyen oder Stripe). Damit werden EU-Karten als Domestic verarbeitet.
Autorisierungsraten optimieren
Die Autorisierungsrate (Anteil genehmigter Transaktionen) ist ein direkter Umsatzhebel. Typische Raten in der Schweiz: 85–92 %. Best Practices zur Optimierung:
- Network Tokens: Visa und Mastercard Network Tokens statt PAN-basierter Tokens verwenden. Erhöht die Genehmigungsrate um 2–5 %.
- Retry-Logik: Bei Soft Declines (z. B. «Insufficient Funds») nach 24–48 Stunden erneut versuchen.
- Acquirer-Diversifizierung: Verschiedene Acquirer für verschiedene Kartentypen oder Regionen nutzen.
- Data Quality: Korrekte Währung, MCC-Code und Transaktionsdaten senden. Falsche Daten führen zu unnötigen Ablehnungen.
- Exemption Management: SCA-Exemptions (Low Value, TRA) korrekt anwenden, um unnötige Challenges zu vermeiden.
- Account Updater: Automatische Aktualisierung abgelaufener Kartendaten (besonders relevant für Subscriptions).
Zielwert: > 93 % Autorisierungsrate. Jeder Prozentpunkt kostet direkt Umsatz.
Card-on-File: Best Practices
Gespeicherte Kartendaten für wiederkehrende Käufe oder One-Click-Checkout:
- Tokenisierung: Kartendaten nie selbst speichern. PSP-Tokens oder Network Tokens verwenden.
- Initiale Authentifizierung: Beim ersten Speichern eine vollständige 3DS2-Authentifizierung durchführen (Pflicht für SCA-Compliance).
- Subsequent Transactions: MIT (Merchant Initiated Transaction) Flag korrekt setzen, um Folgetransaktionen ohne erneute SCA auszulösen.
- Kundenmanagement: Kunden eine Übersicht ihrer gespeicherten Karten bieten mit der Möglichkeit, Karten zu entfernen oder die Standardkarte zu ändern.
- Ablauf-Handling: 30 Tage vor Kartenablauf den Kunden informieren und zum Update auffordern. Card Updater als automatischen Fallback nutzen.
- PCI-Compliance: Card-on-File erfordert mindestens SAQ A-EP (wenn Kartendaten durch eigene Seite fliessen) oder SAQ A (bei vollständiger Auslagerung an den PSP).
Fazit
Ein gutes Kartensetup ist nie nur Preisvergleich. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Akzeptanz, Risikosteuerung und operativer Stabilität. Beginne mit Visa und Mastercard (Debit + Credit), prüfe Amex bei internationalem Kundenstamm, optimiere 3DS2-Flows für maximale Frictionless-Rate und überwache die Autorisierungsrate als zentrale KPI. Interchange++-Verträge ab CHF 50'000 Monatsumsatz in Betracht ziehen.
Häufige Fragen
Welche Karte muss mindestens unterstützt werden?
In der Regel sollten Visa und Mastercard immer aktiviert sein, bei relevanter Zielgruppe zusätzlich Amex.
Wie kann ich Kartenkosten senken?
Durch passende Acquiring-Verträge, saubere Routing-Strategie und Optimierung der Fraud-Checks.
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